PAARTHERAPIE – SITZUNG 1

Die erste Sitzung Paartherapie. Noch 15 Minuten, bevor die Kinder 1,5h Top Wings schauen und wir uns hoch vor die Kamera verziehen. Ich fahr ihn an, er soll alles vorbereiten. Bild mir ein, ihn nuscheln zu hören, ich wäre doch die, die das Ganze wollte. Kann aber wirklich nur Einbildung gewesen sein. Der Bildschirm geht an. Ein sehr netter Mann fragt im angenehmen Oxfordenglish, wie es uns geht. „Schlecht“. Er erklärt die Stresslevel-Stufen anhand eines Glases. Zeigt, wie wenig aktuell übrig bleibt für rationales Denken und Reagieren. 1-2mm des Glases ca. Die sind meistens schon vom Trinken verschmiert.
Danach zählt er mögliche Szenarien auf, warum man so struggelt als Paar mit kleinen Kindern. Wir können mit jeder was anfangen und nicken stumm. Er erwähnt unser Kennenlernen, war das in England oder hier? Das erste gemeinsame Lächeln. Er macht das gut. Dann geht es um Zukunftsfragen. Ich muss immer wieder tief schlucken, wenn A antwortet – aus seinem Mund klingt alles so anders, als ich es empfunden habe. Der Therapeut erklärt, wer so gestresst ist, wie ich, der hört aus allem einen Angriff raus. Es gilt, wieder Vertrauen aufzubauen. Ich nicke ungläubig, so gewohnt bin ich die versteifte Wutblase, in der es so lang schon nur um die (Nicht)erfüllung meiner Bedürfnisse geht. Am Ende gibt es Hilfestellungen: „No Judgement für die nächsten Tage“. Drei kleine Bitten an den Partner, die er täglich erfüllt, ohne dass man nachfragen muss. Einen Fragebogen zum ausfüllen. An A einen kleinen Hint, dass eine Fußmassage für mich abends nicht schaden würde. Abschließend macht er eine Atemübung mit uns. Ich blinzle zu A, der die Augen geschlossen hat und der nach langem Bitten diesen Termin für uns organisiert hat. Der nach dem Auflegen euphorisch scheint, ich bemerke fast Verliebtheitsvibes. Mein erster Impuls: Rückzug, erstmal sackerlassen. Dann: mit der kompletten Familien Spazierengehen. A will reden, fragt viel nach. Der Therapeut hat uns zu Beginn der Session gefragt, was wir uns wünschen als Ziel. Meine Antwort lautete, die Richtung für uns zu wählen – bleiben oder gehen. Als wir vom Spaziergang zurückkommen, tat das gemeinsame Laufen in die gleiche Richtung gut.

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